2011: Besuch in Äthiopien

Vor dem College

v.l.: Hans-Jürgen Thiede, Dekan Melkamu Dunfa, Ursel Stahlmann, Berthold Bonekamp.

NGZ vom 23. Dezember 2011

Grevenbroich hilft Äthiopien

Mit viel Geld und großem Engagement unterstützt der Grevenbroicher Rotary-Club ein Bildungsprogramm in Äthiopien. Mitglieder der Organisation überzeugten sich jetzt in Addis Abeba vom Gelingen des Projekts

Grevenbroich. Mit vielen Eindrücken ist soeben eine sechsköpfige Delegation des Rotary-Clubs aus Äthiopien zurückgekehrt. Die Mitglieder um Präsident Berthold Bonekamp überzeugten sich in der Hauptstadt Addis Abeba vom Fortschritt eines Bildungs-Projekts, das seit einigen Jahren von Grevenbroich aus unterstützt wird. „Ziel ist es, dass Frauen besser ausgebildet werden, um gleichberechtigt und eigenverantwortlich zu handeln“, erklärt Projektleiter Hans-Jürgen Thiede.
Die Idee entstand bereits 2006, umgesetzt wurde sie mit Unterstützung von Ursel Stahlmann. Die pensionierte Oberstudienrätin am Pascal-Gymnasium ist bereits seit Jahren an der deutschen Botschaftsschule in Addis Abeba tätig. Sie betreut in Äthiopien verschiedene Sozialprojekte und ist auch Mitglied des Rotary-Clubs.
Mit Mitteln von Rotary wurde am College der evangelisch-lutherischen Mekane-Yesus-Kirche ein Ausbildungsprogramm für Dorfhelferinnen entwickelt. „Die Absolventen werden mit einem anerkannten Diplom bei staatlichen und kirchlichen Stellen in ihren jeweiligen Heimatdörfern angestellt, um bei der Schulung von Frauen zu helfen“, sagt Berthold Bonekamp. Das Studium umfasst neben Allgemeinwissen in Englisch, Mathematik und Computeranwendungen auch Kenntnisse in Buchhaltung, Arbeitnehmerrechten und Kleinunternehmertum. „Vor allem aber geht es um Psychologie, Kommunikation, Gesundheitsfürsorge, Familienplanung und Frauenrechte“, betont Hans-Jürgen Thiede.
Die Projektsumme beläuft sich auf 100.000 US-Dollar. Ein Drittel davon hat der Rotary-Club Grevenbroich eingebracht, 40 Prozent kamen von anderen rotarischen Organisationen und 25 Prozent werden vom College selbst finanziert. Mit dem Geld werden Computer, Bücher und Lernmaterial bezahlt sowie die Gehälter für zwei zusätzliche Lehrkräfte und die Stipendien für 24 der zurzeit 70 Studenten, von denen 80 Prozent Frauen sind.
„Unser Besuch hat gezeigt, das unser Projekt auf einem sehr guten Weg ist und das Geld sinnvoll verwendet wird“, betont Berthold Bonekamp. Die Lehrer seien hoch motiviert. Die ersten Studenten werden das College 2012 verlassen. Den meisten wurde eine Stelle in ihren Heimatregionen bereits zugesagt.
Einen überzeugenden Beweis für die Bedeutung dieses Projektes gab den Grevenbroicher Rotariern der Dekan des Colleges, Melkamu Dunfa, mit seiner eigenen Geschichte: Seine Familie ermöglichte ihm und seinen vier Brüdern eine sehr gute Ausbildung und eine sichere berufliche Existenz. Seine einzige Schwester dagegen wurde ohne Schulbildung und Beruf früh verheiratet, bekam acht Kinder und kann nach dem frühen Tod ihres Mannes nur mit der Hilfe ihrer Brüder überleben. Für ihn war das Anlass, mit rotarischer Hilfe das Ausbildungsprogramm zu starten.

Info
Armes Land
Äthiopien hat 90 Millionen Einwohner, und es werden jährlich zwei Millionen mehr. Das Land zählt zu den ärmsten der Welt. Eine der Ursachen für die Probleme Äthiopiens ist die fehlende Bildung, vor allem der Frauen. Mit dem Grevenbroicher Projekt sollen Frauen befähigt werden, gleichberechtigt zu handeln.

Ein Klassenraum der Schule.