Vortrag Johannes Lambertz

Auf dieser Seite finden Sie Fotos und Texte zum Besuch von Johannes Lambertz. Wenn Sie auf die Registerkarten klicken, finden Sie die Begrüßung von Präsident Cegla sowie eine Zusammenfassung des Vortrages von Johannes Lambertz. Presseberichte vom Besuch finden Sie hier.




Begrüßung Präsident Cegla

Präsident Gad Cegla führte in den Vortrag von Dr. Johannes Lambertz mit folgenden Worten ein: „Seit vielen Jahren habe ich in unserem Club die Aufgabe übernommen, eine bekannte Persönlichkeit aus Politik, Medien, Wirtschaft, Sozialwesen und Erziehungswissenschaft einmal jährlich zu unserem Club einzuladen. Als wir vor mehreren Monaten Herrn Dr. Lambertz eingeladen haben, hatte keiner geahnt, dass die Tsunami-Katastrophe, die zur Zerstörung des Atomkraftwerkes in Fukushima, Japan, geführt hat, zu einer intensiven deutschen Diskussion führte.
Wohin steuert Deutschland in die Zukunft, um seinen Energiebedarf zu decken? Das große Interesse an diesem Thema ist auch der Beweis der zahlreichen Gäste, die heute zu Ihrem Vortrag gekommen sind. Die zahlreichen Gäste, die sich die Zeit genommen haben, Ihnen zuzuhören, darunter möchten wir den Landrat des Kreises Neuss, Herrn Petrauschke, die Bürgermeisterin der Stadt Grevenbroich, Frau Kwasny begrüßen, die uns, wie auch ihr Vorgänger, jährlich diesen wunderschönen Saal zur Verfügung gestellt hat. Wir begrüßen ebenfalls den Bürgermeister der Gemeinde Jüchen, Herrn Zillikens und den Bürgermeister der Gemeinde Rommerskirchen, Herrn Glöckner. Wir begrüßen weiterhin die Direktoren verschiedener Banken, die Führungspositionen der Industrie und die zahlreichen Mitglieder des Lions Club Grevenbroich, und auch die rotarischen Freunde aus den umliegenden Städten. Besonders freuen wir uns, dass Freunde des Rotary Partnerclubs Venray aus den Niederlanden dieser Einladung gefolgt sind. Alle nicht namentlich genannten Vertreter aus Politik und Wirtschaft heißen wir hiermit herzlich willkommen.
Ich möchte Ihnen hiermit kurz Herrn Dr. Johannes F. Lambertz Vorstandsvorsitzenden der RWE Power AG vorstellen. Johannes Lambertz wurde 1949 in Kerpen geboren. Der gelernte Maschinenschlosser und Konstrukteur studierte Kernverfahrenstechnik an der Fachhochschule Aachen sowie im Anschluss Maschinenbau/Kraftwerkstechnik an der RWTH Aachen, wo er auch promovierte. 2002 wurde er zum Mitglied des Vorstandes der RWE Rheinbraun AG, in die er 1981 eingetreten war, für das Ressort Verstromung bestellt. Seit 2003 gehört Dr. Lambertz dem Vorstand der RWE Power AG an. Im Februar 2008 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der RWE Power AG ernannt. Herr Dr. Lambertz, wir bedanken uns, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind, und freuen uns auf einen interessanten Vortrag mit dem Thema: 100 Tage - Energiekonzept der Bundesregierung."



Vortrag Johannes Lambertz
Ausgehend von der rotarischen Vier-Fragen-Probe erläuterte Johannes Lambertz zunächst, dass es ihm vor allem um Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit gehe. Die energiepolitische Diskussion der letzten Jahre sei auf allen Seiten – sowohl Industrie als auch Politik - von Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit gekennzeichnet. Er erläuterte kurz, wie es zu der Reaktorkatstrophe in Fukushima gekommen sei (eine Vierzehn-Meter-Welle hat die nur sechs Meter hohe Schutzmauer des Atomkraftwerks überspült). Die Frage, ob die deutschen Atomkraftwerke besser gesichert seien, stellte und beantwortete er aber nicht. Dr. Lambertz ging bei seinem Vortrag vielmehr davon aus, dass die Energiewirtschaft sich selbstverständlich nach dem Willen der Bevölkerung richten werde. Wenn in Deutschland eine Energieproduktion ohne Kernenergie politisch gewollt sei, werde sich die Industrie danach richten. Nur: Die Energiewende gebe es nicht zum Nulltarif und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Energie wird teurer
Kernenergie sei derzeit die Form der Stromproduktion mit den niedrigsten variablen Erzeugungskosten. Schon durch das temporäre Entfallen von acht Kernkraftwerken im Rahmen des Moratoriums fehlten 8.400 MW preiswerter Strom, der durch Strom ersetzt werden müsse, der mit höheren variablen Erzeugungskosten produziert werde. Anhand umfangreichen Chartmaterials belegte Lambertz, wie stark der Preis für Energie und CO 2 Emissionen seit dem Moratorium gestiegen sei. Diese Folgen prognostizierte er auch für einen endgültigen Umstieg. Hier müsse die Politik darauf achten, dass Energie nicht zu einem für weite Teile der Bevölkerung unbezahlbaren Luxusgut werde. Auch müsse verhindert werden, dass stromintensive Industrien aus Deutschland abwandern.

Die Abhängigkeit von Energieimporten steigt
Vor etlichen Jahren war Deutschland ein Stromexporteur, jetzt, und insbesondere seit dem Moratorium, begebe sich Deutschland zunehmend in Abhängigkeit von Stromimporten aus dem Ausland: Deutschland importiere Strom insbesondere aus Frankreich und Tschechien. Beide Länder produzieren wiederum einen Großteil ihres Stromes mit Hilfe der Kernenergie. Die Landschaft werde beeinträchtigt. Ein Großteil der deutschen Atomkraftwerke stehe in Süddeutschland. Windenergie, als Energieerzeugungsform, auf der große Hoffnungen ruhen, könne dagegen im notwendigen industriellen Maßstab nur in Norddeutschland produziert werden. Um die dort erzeugte Energie an die Stellen zu transportieren, wo sie benötigt werde, sei es erforderlich 3.600 Kilometer Stromleitungen zu verlegen, was das Erstellen von 12.000 Strommasten mit sich bringe.
Soweit Windenergie im Inland erzeugt wird, werde das mit immer höheren Windkraftanlagen erfolgen. Nabenhöhen von 200 Metern in Waldgebieten würden keine Seltenheit sein. Da erneuerbare Energien nicht geplant produziert werden könnten, sondern dann, wenn die Sonne scheine oder der Wind wehe, werde eine Energiespeicherung immer wichtiger. Nach heutigem Kenntnisstand sei die Speicherung großer Mengen Energie nur über Pumpspeicherwerke möglich, die – ähnlich wie Strommasten – kein schöner Anblick seien.

Proteste von Anwohnern sind zu erwarten
Erfahrungen von RWE zeigten, dass der Bau von Masten, Windkraftanlagen und Pumpspeicherwerken immer durch Anwohnerproteste begleitet werden, die auch langwierige Prozesse mit ungewissem Ausgang nach sich zögen. Ein kurzfristiges Umschwenken auf erneuerbare Energie ist deshalb nach Einschätzung von Dr. Lambertz schon aus Gründen der Bürgerproteste nicht möglich. Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass bundespolitische Prestigeprojekte der einzelnen Parteien von den lokalen Gliederungen der gleichen Parteien bekämpft werden. Sehr schlecht seien in Deutschland Photovoltaikanlagen für die Sicherung der Stromerzeugung zu verwenden. Wegen des wechselhaften Wetters würden sie praktisch nichts zur gesicherten Leistung des deutschen Kraftwerksparks beitragen. Hinzu komme, dass die hohen Subventionen für Photovoltaikanlagen, die alle Stromverbraucher über ihre Stromrechnung zahlen, äußerst unsozial seien: Die hochsubventionierten Photovoltaikanlagen stehen auf den Dächern vieler Einfamilienhäuser. Die Subventionen werden aber auch von vielen Bewohnern von Hochhäusern bezahlt, die eventuell sozial schwächer sind, in jedem Fall aber keine Möglichkeit haben, von einer Photovoltaikanlage zu profitieren. Diese Erkenntnis mache sich derzeit auch in der Politik breit. Deshalb sei bereits kurzfristig mit der drastischen Kürzung der Subventionen zu rechnen. Auch die Energieerzeugung mit Hilfe des Windes könne in Deutschland niemals ausreichend gesicherte Leistung darstellen.

Für eine gesicherte Energieerzeugung in der Zukunft sieht Dr. Lambertz deshalb vier Säulen:

Erneuerbare Energien in europäischem Maßstab
Flexible konventionelle Stromerzeugung
Stromspeicher und Reservekapazität
Schnellen Ausbau der Stromnetze


Im Bereich der flexiblen konventionellen Stromerzeugung sieht Dr. Lambertz auch Platz für die Braunkohle, die, insbesondere vor dem Hintergrund des technischen Fortschritts in den letzten Jahrzehnten, bei ganzheitlicher Betrachtung deutlich besser sei als ihr Ruf. Unabhängig davon, ob Deutschland weiter auf die Verstromung von Kohle setze, werden das viele heutige Schwellenländer tun. Vor diesem Hintergrund sei es auch sinnvoll, dass Deutschland weiter zu Innovationen in diesem Bereich beitrage: Jedes Prozent Effizienzsteigerung bringt erhebliche Fortschritte für das Weltklima. Im Anschluss an seinen Vortrag ließ sich Lambertz noch reichlich Zeit, um Rückfragen zu beantworten.




Aktuell: Vortrag Dr. Johannes Lambertz

Johannes Lambertz, Vorstandsvorsitzender der RWE Power AG sprach jetzt auf Einladung des Rotary-Club (RC) Grevenbroich vor über 150 Gästen im Rittersaal über "100 Tage - Energiekonzept der Bundesregierung". RC-Präsident Gad Cegla freute sich, dass gleich drei Bürgermeister mit von der Partie waren: Ursula Kwasny (Grevenbroich), Albert Glöckner (Rommerskirchen) und Harald Zillikens (Jüchen). Weitere Informationen zum Besuch finden Sie hier oder auf unserer Presseseite.


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