NGZ vom 22. Juli 2011

Eigener Bus für die Streetworker

Das Streetworker-Team um Frank Paffendorf ist jetzt deutlich flexibler: Der Rotary Club finanzierte für die mobile Jugendarbeit einen 23000 Euto teuren Bus. Bald sind auch die Streetworker-Räume in der Alten Feuerwache fertig.
Von Carsten Sommerfeld

Grevenbrioch. Viele Kilometer im Monat strampelt Frank Paffendorf mit einem Cross-Rad durch die gesamte Stadt, um mit Jugendlichen zu sprechen, Probleme anzuhören, Rat zu geben. Künftig dürfte er etwas weniger in die Pedale treten: Dem dreiköpfigen Streetworker-Team steht jetzt ein nagelneuer Kleinbus mit neun Sitzplätzen zur Verfügung.
Möglich machte die Investition der Rotary Club Grevenbroich um Präsident Berthold Bonekamp. Beachtliche 23.000 Euro brachten die Freunde im Club zusammen. „Am Anfang stand ein Benefizkonzert“, blickt Franz-Peter Hermanns zurück. „Angesichts der schweren finanziellen Lage der Stadt wollen wir einen Beitrag leisten, dass Jugendliche eine Perspektive haben.“ Past-Präsident Gad Cegla überreichte gestern die Autoschlüssel an Paffendorf und Bürgermeisterin Ursula Kwasny, die sich für die Hilfe bedankte. „Mit dem Bus sind wir mobiler und flexibler.“ Auch Frank Paffendorf freut sich: „Beispielsweise können wir nun mit Jugendlichen Ausflüge in eine Kletterhalle oder an andere Orte unternehmen. Wir denken aber auch daran, mit dem Wagen zu Schulen zu fahren.“
Auch bei Angeboten im Rahmen der „aufsuchenden“ Jugendarbeit soll der Wagen zum Einsatz kommen: „Wir möchten den Bus umbauen, so dass wir drinnen mit wenigen Handgriffen einen Schreibtisch haben. Dann können wir in den Stadtteilen etwa mit Jugendlichen Bewerbungsschreiben trainieren oder per Laptop Infos aus dem Internet zur Berufswahl abrufen“, erklärt der Streetworker. „Ein großes Problem vieler Jugendlicher ist nämlich die Frage, was sie nach der Schule machen. Sie sehen für sich keine berufliche Chance.“ Auch für den Umbau ist ein Sponsor gefunden: der lnner Wheel Club Düsseldorf Clara Schumann. Die mobile Jugendarbeit ermöglicht oft den ersten Kontakt zu Jugendlichen. „Viele kommen selten aus ihren Orten heraus und kennen bei Problemen auch die AnlaufsteIlen nicht“, so Paffendorf, der regelmäßig die Treffpunkte - Parkbänke oder Haltestellen - aufsucht. „Im Gegensatz zu Jugendzentren stellen dort die Jugendlichen die Regeln auf, es ist quasi ihr ,Wohnzimmer'."
Am Anfang der Kontakte stehen häufig Gespräche über Musik und Fußball. Allmählich entsteht eine Vertrauensbasis, kommen Sorgen zur Sprache, wird über Stress mit Eltern oder Freunden geredet. Für weitergehende Gespräche bekommen die Streetworker übrigens bald neue Räume in der Alten Feuerwache, die zurzeit umgebaut werden.
Trotz des Busses wird Paffendorfs Fahrrad nicht ungenutzt vor sich hinrosten. „Ich bin weiter mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs, um mit Jugendlichen zu sprechen."


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